05 Mar

Obatzter-mit-BrezelGestern saßen wir gemütlich bei Bockbier, Bretzel und Obatzten zusammen, denn so halten es die Allgäuer in der Fastenzeit. Wir unterhielten uns und mit jedem Schluck von diesem kraftvollen Gebräu wurden die Geschichten lustiger, das Lachen breiter und die Gemüter strahlender.

Unser alter Freund, Franz, erzählte uns von seinem letzten Kinobesuch. Der Besuch davor musste gefühlt im Mittelalter gewesen sein. Immerhin war das Kino zum 3. Mal renoviert, technisch optimiert und aufgefrischt. Franz holte sich also sein Ticket, freute sich über Schick und Freundlichkeit und suchte sich wie immer – also damals vor zig Jahren – einen gemütlichen Platz in der letzten Reihe.

Mitten im Kinosaal saßen noch zwei Leute ansonsten waren alle Plätze frei. „Passt scho“, dachte sich unser Franz, der eh lieber den Freiraum und den Weitblick auf seiner Alm bevorzugte. Rechts platzierte er seine Cola und in der linken Hand hielt er seine XXL Tüte Popcorn, die ihn beim ersten Genuss im Nu in seine Teenagerzeit zurück versetzte. So saß er da und wartete darauf, dass der Film start. Seine Gedanken wanderten von hier nach da und er fühlte sich wohl in diesem neuen Kino. Er machte es sich nochmal in seinem Sitz bequem und dachte: „Ja so konn ma lebn. Des is supa.“

Er fühlte sich genau richtig an diesem Ort und entspannte sich, als eine fremde Frau ihn jäh aus seiner Gemütlichkeit herausrisse. “Des geht bei am Oigäua moi gar ned.” Die musste von Auswärts sein. Mit einem aufgeregten Gesicht fuchtelte diese Frau mit ihrem Ticket vor seinem Gesicht und zuerst verstand Franz gar nicht, was sie ihm mit ihrer quitschenden Stimme sagen wollte. Nachdem er sie bat sich erneut wiederholen, hielt sie noch mal ihr Ticket vor seine Augen und diktierte: „Das ist mein Platz.“ Franz machte große Augen. Schaute sich um. Staunte. Über hundert Sitzplätze waren frei und auf diesen hier bestand sie. Er schaute auf sein Ticket und sah, dass es mittlerweile Sitzplatzreservierungen gab. Verblüfft und mit einem gewissen Allgäuer Kopfschütteln, den nur Einheimisch können, und der dann oft in Ironie und Sarkasmus mündet, räumte er seinen Platz, der gar nicht seiner war. Ihm fehlten jegliche Worte, mit denen ein echter Allgäuer eh sparsam umgeht und schwieg.

Als er sich dann auf seinen, ihm zugewiesenen Platz, niederlies war er noch immer baff.

Ein Saal voller leeren Sitzplätzen. Und er setzte sich genau auf den Platz dieser aufgeregten Person. Sie dagegen hatte ein riesen Auswahl an Alternativen und pochte genau auf die Sitznummer auf ihrem Ticket.

Ich hörte mir die Geschichte an und wir alle waren herzlich am Lachen. Gleichzeitig kam mir jedoch auch in den Sinn, dass es tatsächlich Menschen gibt, die auf ihren Platz pochen. Den haben sie bestellt, den wollen sie haben. Den sind sie gewohnt und einen anderen wollen sie nicht.

Ja die Macht der Gewohnheit. Kann ja ganz nett sein. Aber eines ist die Kehrseite der Medaille mangelnde Flexibilität führt zu Trägheit im Hirn, verhindert Neues und kann u.a. neue Chance verbauen und damit eine bessere Zukunft blockieren

Kapiert?

Wenn Sie sich gerade beim Lesen dabei erwischt haben, dass Sie vielleicht selbst ein bisschen zu stark in alten Gewohnheiten verharren, kann ich Sie trösten. Sie können sich sofort anders entscheiden und Ihrem Leben eine frische Brise einhauchen.

Dazu hilft Ihnen mein Buch: „Endlich im Leben ankommen … vom Kopf ins Herz“

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